“Raus jetzt!” – Über das Gesunde am Draußensein

Immer noch sind es schweirige Zeiten. Die Corona-Virus-Krise hat uns weiterhin fest im Griff, trotz sinkender Inzidenzwerte. In unserer Gesellschaft wächst die Angst vor der “dritten Welle” und in der Politik ist seit Anfng des Jahres wieder vermehrt von “Ausgangssperren” die Rede.

Wir haben viel gelernt in den letzten Monaten, z. B. über Viren- und Infektionsforschung in der Infektiologie, Epidemiologie und jüngst auch Aerosologie, einem interdisziplinären Fachgebeit in der Schnittmenge von Physik, Chemie, Medizin und Geografie.

In der Conora-Virus-Krise begegnet uns die Aerosologie vor allem in zwei Dimensionen bzw. Diskussionen: Zum Einen in der Qualitäts- und Gefahrenbewertung von Raumluft unter Corona-Virus-Bedingungen und zum Anderen in der Frage, wie sich ggf. virenlastige Aerosolwolken im Außenbereich verhalten. Aerosolforscher haben dazu eine ziemlich einheitliche Grundmeinung. Schnell gefährlich wird es mit mehreren Personen in (unbelüfteten) Innenräumen; fast ungefährlich ist es – mit dem Anstand eines richtigen Abstands – an der frischen Luft.

Nachdem nahezu ein Jahr fast nur Virologen und manchmal Epidemiologen die wissenschaftliche Kommunikation und die wissenschaftliche Interpretation in der Corona-Virus-Krise dominiert haben, melden sich nun also auch zunehmend Wissenschaftlcer anderer relevanter Wissenschaftsbereich zu Wort; allen voran die (interdizsiplinären) Aerosolforscher. In Deutschland ist das ein relativ neues Phänomen, in anderen, vor allem asiatischen Ländern ist das schon von Anbeginn der Pandemie so.

Historisch ist die Geographie sogar die Wissenschaft, die sich der Verbreitung von Innovationen, wie sie z. B. auch neue Krankheiten darstellen, mit als erstes gewidmet hat. Der schwedische Geograf Torsten Hägerstrand (1916-2004) hat mit seinen bahnbrechenden Arbeiten Anfang der 1950er Jahre erheblich zum Verständis der räumlichen Ausbreitung (Diffusion und Distribution) von Krankenerregern und Kankheiten, insbesondere durch sozialgeografische bzw. soziale Interaktionen, beigetragen.

Die jetzt zu beobachtende Hinwendung zu einer angewandten Aoerosologie, wie sie in der Forderung nach Raumluftfilterungssystemen für Schulen, Busse und Bahnen deutlich wird, entspricht somit auch einer mikrogeografischen Diffusioensforschung. Die Aerosolwolken einzelner Personen bilden dabei den internen, die Interaktions derartiger Wolken im erweiterter Raumkontekt bilden dabei den geograpischen Forschungsraum. Und die Froschungsergebnisse sind ziemlich eindeutig.

So liest sich die Antwort des Aerosolexperten Dr. Scheuch auf die Frage (in einem ntv-Interview: https://www.n-tv.de/wissen/…) “Sie sind ein Aerosol-Experte und Sie sagen, die Corona-Krise ist im Grunde ein Innenraum-Problem. Was heißt das im Einzelnen?” wie folgt: “Das ist nicht nur meine Meinung, das ist die Meinung von vielen Wissenschaftlern, die auf dem Gebiet der Aerosol-Forschung arbeiten. Es ist ein Innenraum-Problem, weil sich die Menschen in Innenräumen anstecken. Kollegen aus China haben das schon im letzten Frühjahr publiziert, dort wurde eine ganz große Untersuchung gemacht. Es wurden über 7000 Infektionen nachvollzogen und von diesen fand eine einzige im Freien statt. Also, von über 7000 Infektionen waren die allermeisten in Innenräumen. Und damals hat der Kollege aus China schon geschrieben, dass die Transmission, also die Übertragung von Viren von einer Person zur anderen, ein Innenraum-Problem ist. Ganz deutlich hat er das damals schon formuliert. Und das war eigentlich der Augenblick, in dem mir klar wurde, das hat etwas mit Aerosolen zu tun.

Für die Ansteckung mit einem Virus sind immer mehrere Faktoren entscheidend. Faktoren, die sich aus Antworten auf z. B. folgende Fragten ergeben:

  • Wie hoch ist die Viruslast in der individuellen Aerosolwolke (eines bereits infizierten) Menschen?
  • Wie schnell erweitert sich die Aerosolwolke im Raum? Also auch die Frage, wie schnell verdünnt sich eine ggf. hohe Virenlast der Aerosolwolke im Raum.
  • Wie lange ist ein anderes Individuum dieser viruslastigen und ggf. infektiösen Aerosolwolke ausgesetzt?

Etwas vereinfacht lassen sich wissenschaftliche Ergebnisse der Corona-Virus-spezifischen Aoerosolforschung in zwei einfachen Aussagen zusammenfassen:

  • Wegen der geringeren Verdünnungspotentiale sind Aerosolwolken in Innenräumen insgesamt wesentlich gefährlicher bzw. indirekt wesentlich infektiöser als im Freien.
  • Eine kurzzeitige Begegnung mit einem Corona-Virus-Träger (Infizierter) im Freien birgt nur ein sehr geringes Infektionsrisiko, weil die infektiöse Aerosolwolke unter Außenbedingungen sehr schnell verdünnt wird.

Schon seit einigen Jahren genießt das draußen sein – anglisiert auch outdooring genannt – aufgrund gesundheitsfördernder Faktoren eine wachsende Bedeutung in unserem oft stressigen Leben. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen in naturnaher Umgebung hat wissenschaftlich belegte positive Einflüsse auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit sowohl in physischer wie auch psychischer Hinsicht..

Auch wissenschaftlich ist die Verknüfung von Natur mit Gesundheit vielfach bearbeitet. So finden sich auch auf Google Scholar zu den Suchbegriffen “Natur Gesundheit” ungefähr 290.000 Einträge.

In Deutschland ist das insbesondere auf den Wald und das Erlebnis Wald gemünzt. Und das Thema Waldbaden z. B. ist als entspannungstherapeutische Aktivität weltweit seit Jahren ein wachsender Trend. Auch in Deutschland gibt es seit einiger Zeit einen EU-zertifizierten „Kur- und Heilwald“ (www.kur- und-heilwald.de) auf der Insel Usedom.

Quelle: https://kur-und-heilwald.de/homevideo/kur-und-heilwald_web_720_HD.mp4

Stärkt also das draußen sein durch reizklimatische Einflüsse per se unser Immunsystem, so kommt in der Corona-Virus-Krise eine besondere gesundheitliche Schutzfunktion dazu nämlich der relativ hohe Schutz vor Ansteckung durch schnelle, natürliche Verdünnung infektiöser Aerosolwolken im Freien.

Im bereits zitierten ntv-Interview heißt es dazu:

Frage: „Das heißt, wenn ich draußen jogge, spazieren gehe, mich treffe, dann kann im Grunde nichts passieren?

Und die Antwort von Dr. Scheuch: „Nein. Da kann garantiert nichts passieren. Wenn Sie joggen, spazieren gehen, wandern, Ski fahren, rodeln, was auch immer, dann wird nichts passieren. Im Außenbereich kann nur dann etwas passieren, wenn Sie sehr lange sehr eng mit einer Person zusammenstehen, sich direkt gegenüberstehen und unterhalten. Dann stehen Sie in der Aerosolwolke Ihres Gegenübers und dann können Sie sich, über eine längere Zeit, anstecken. Da wäre es dann vielleicht sinnvoll, eine Maske zu tragen oder sich im Spazierengehen zu unterhalten, wo man sich nicht direkt gegenübersteht. Aber ansonsten ist die Ansteckungsgefahr im Freien null.

Es mag auch sein, dass Dr. Scheuch seine Meinung nicht ganz uneigennützig vertritt, da er an eine Firma, die sich mit Luftfilterung und Luftreinhaltungstechnik befasst, beteiligt ist. Das die Ansteckungsgefahr auch unter allen wissenschaftlich prüfbaren Kritierien wirklich “in Freien null” ist, kann man durchaus bezweifeln. Doch erscheint eine Ansteckung im Freien sehr viel unwahrscheinlicher als in Innenräumen.

Deshalb der Aufruf: “Raus jetzt! Es ist gesünder und schützt besser!”


Aus dem Orbit:

(1) Weitere Interviews mit Dr. Gerhard Scheuch oder Artikel, die sich auf Interviews mit Dr. Gerhard Scheuch beziehen sind z. B. unter folgenden Weblinks zu finden:

(2) Die Stichwortsuche „Dr. Gerhard Scheuch“ ergab auf google.de mehr als 69.000 Einträge.

(3) Die Stichwortsuche „dr. scheuch aerosols“ ergab auf Google Scholar etwa 1.390 Einträge.


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